Taunus Zeitung, 29.08.2006
Bad Homburg. Man hat es ihnen angemerkt. Der siebenjährige Bobby und 14 andere Kinder saßen zwar ruhig auf ihren Stühlen. Aufmerksam lauschten sie den Reden der Großen. Doch eigentlich wollten sie viel lieber in den Nebenraum gehen. Was die Erwachsenen oft als Beginn vom „Ernst des Lebens“ bezeichnen, war für die 15 Erstklässler vor allem mit Spannung und Spaß verbunden. Denn wer wird an seinem ersten Schultag schon von Fernsehteams gefilmt oder von Zeitungsreportern interviewt? Ganz einfach: die Schüler der Elementary School, der internationalen Grundschule, die gestern in der Dietigheimer Straße ihre Schullaufbahn antraten.
Mit der Grundschule hat die private Hochschule accadis in Bad Homburg einen wichtigen Schritt auf dem Weg gemacht, vom Kindergarten bis zum Studium den gesamten Bildungsweg in zweisprachiger Form anzubieten. Kultusministerin Karin Wolff (CDU) lobte das Engagement der treibenden Kraft in diesem Prozess, der accadis-Geschäftsführerin Gerda Meinl-Kexel. „Sie haben etwas geschaffen, was in den staatlichen Schulen noch nicht so weit vermittelt wird“, betonte sie. Wolff meinte die Verzahnung der einzelnen Bildungsabschnitte der Menschen – einen Prozess, den sie auch in öffentlichen Schulen forciert sehen möchte.
Ein ähnliches Lob wurde Meinl-Kexel von Oberbürgermeisterin Dr. Ursula Jungherr (CDU) gezollt. „Sie haben mit Zähigkeit ihr Ziel verfolgt“, sagte Jungherr. Mittlerweile wisse man, dass die ersten zehn Jahre für die Bildung und damit für die Zukunft eines Menschen entscheidend seien. „Sie haben dieses Wissen aufgegriffen und mit dem Kindergarten und der Grundschule vorangetrieben“, betonte Jungherr. Darüber hinaus habe Meinl-Kexel Bad Homburg zu einem Hochschulstandort gemacht. Der zweisprachige Unterricht in der Grundstunde lege den Grundstein für den späteren Erfolg der Kinder. „Ohne Englisch kann man es im Berufsleben einfach nicht mehr schaffen“, sagte die Oberbürgermeisterin.
Ein Engagement, das bald an seine Grenzen stoßen könnte, zumindest in räumlicher Hinsicht. Denn wie der Präsident der accadis-Hochschule, Professor Werner Meißner, verdeutlichte, werde man in der Grundschule schon bald Kapazitätsprobleme bekommen. „Dr. Jungherr und auch Landrat Ulrich Krebs haben uns jedoch versichert, bei der Lösung dieses Problems zu helfen.“
Dass es bei größeren Veranstaltungen schon jetzt eng wird, zeigte sich beim Umzug der Kinder in den Klassenraum. Die Eltern wurden gebeten, aus Platzmangel im anderen Raum zu bleiben. Die ersten Minuten des Unterrichts der finnischen Englischlehrerin Hannah Hinkanen und ihrer für den deutschen Unterricht zuständigen Kollegin Anja Hietel verfolgten die Eltern live auf einer Leinwand. Eine moderne Infrastruktur hat die Grundschule auch in anderen Bereichen: Die ergonomisch geformten Stühle sind höhenverstellbar, statt Tafel gibt es einen „Touchscreen“. Beste Voraussetzungen also für Bobby und seine Klassenkameraden, sich dem „Ernst des Lebens“ zu stellen. (gst)
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c.kexel